Logopädie Graz

Helena Pernul, BSc, Ihre Wahllogopädin in Graz und Bruck/Mur

Mobile Logopädie von Graz bis Kapfenberg

Neurologische Sprachstörung und Sprachverlust (Aphasie/Dysphasie): Wie logopädische Therapie helfen kann

Nach einer Verletzung des Sprachzentrums im Gehirn (Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma…) ist eine Aphasie eine mögliche Folgeerscheinung‏‏. Betroffene und Angehörige leiden oft sehr unter der eingeschränkten Kommunikationsfähigkeit. Je eher eine logopädische Therapie beansprucht wird, umso besser sind die Erfolgschancen.‏

Beeinträchtigung der Kommunikationsfähigkeit und eingeschränktes Sprachverständnis: Symptome einer Aphasie

Wenn spezifische Bereiche im Gehirn geschädigt werden, kommt es bei betroffenen Personen zu einem "Sprachverlust". Er tritt in ‏‏unterschiedlichen Schweregraden ‏‏auf und kann die Fähigkeiten des:

  • Verstehens
  • Sprechens
  • Lesens
  • Schreibens
  • Rechnens

umfassen. Die Fähigkeit, die erlernte Sprache zu verstehen und zu gebrauchen, geht teilweise oder in schweren Fällen sogar ganz verloren. Erworbene und täglich genutzte Fähigkeiten sind nicht mehr greifbar. Häufig wird dieser Verlust der Kommunikationsfähigkeit leider als kognitive Einschränkung missinterpretiert.

Ursachen für eine Aphasie: Was verursacht einen Sprachverlust?‏

‏Eine Aphasie resultiert immer aus einer ‏‏Schädigung am Gehirn‏‏. Meist ist die linke Hemisphäre als (zumeist) sprachdominante Hälfte betroffen. Ursächlich für eine Aphasie oder Dysphasie können sein:

  • Schlaganfälle
  • ‏Schädel-Hirn-Traumata‏
  • ‏Tumore in entsprechenden Hirnarealen
  • ‏Durchblutungsstörungen im Gehirn
  • ‏Entzündungen bestimmter Hirnareale
  • Sauerstoffmangel
  • ‏neurochirurgische Eingriffe

Formen der Aphasie

‏Bei Sprachstörungen gibt es unterschiedliche Ausprägungen, grundsätzlich wird in 4 Formen unterteilt:

  • Amnestische Aphasie:‏‏ Die amnestische Aphasie wird auch oft als Restaphasie bezeichnet. Sie ist die leichteste Form der neurologischen Sprachstörung. Die Betroffenen haben zumeist geringe Defizite in der Wortfindung und/oder dem Sprachverständnis. Den Patienten gelingt es zumeist, das Gewollte korrekt oder zumindest umschreibend zu vermitteln.
  • ‏‏Broca-Aphasie:‏‏ Die Broca-Aphasie wird tlw. auch als motorische Aphasie bezeichnet. Betroffene haben vor allem ‏‏Probleme mit der Sprachproduktion‏‏, die Wortfindung ist verlangsamt, erschwert und stockend. Sie sind sich ihrer Störung häufig überbewusst, durch die entstehende Nervosität werden die Symptome oft zusätzlich verstärkt. Das Sprachverständnis ist hier zumeist nur wenig beeinträchtigt.
  • ‏Wernicke-Aphasie:‏‏ Häufig auch als sensorische oder flüssige Aphasie bezeichnet. Betroffene zeigen mehr oder weniger ausgeprägte Störungen des Sprachverständnisses‏‏. Zwar sprechen sie flüssig, teilweise sogar überschießend, gesprochene Inhalte sind jedoch häufig inhaltsleer. Teilweise werden Wörter verwechselt oder erfunden. Weiters neigen die Betroffenen dazu, den Faden zu verlieren. Bei stärkeren Ausprägungen kommt es tlw. zu aggressivem Verhalten gegenüber dem Umfeld, da der ‏Betroffene nicht versteht, warum er nicht verstanden wird.
  • ‏‏Globale Aphasie:‏‏ Bei der globalen Aphasie sind sowohl Sprachverständnis als auch Sprachproduktion stark eingeschränkt. Die Betroffenen sind geistig häufig bei vollem Bewusstsein, aber unfähig zu kommunizieren. Auch hier kommt es tlw. zu aggressivem Verhalten, da die Betroffenen oft nicht verstehen, dass sie zumeist nur einzelne unzusammenhängende Wörter oder Silben produzieren. Auch sozialer Rückzug und Depressionen können daraus resultieren.‏

‏‏In jedem Fall gilt: Je früher mit einer Therapie begonnen wird, desto besser die Erfolgschancen. Als Faustregel gilt: das 1. Jahr ist das wichtigste für die Rehabilitation.

‏Prävention der Sprachstörung: Kann man einer Aphasie vorbeugen?‏

‏Die häufigste Ursache für eine Aphasie im Kindesalter ist ein ‏‏Schädel-Hirn-Trauma‏‏. Bei Erwachsenen ist zumeist ein ‏‏Schlaganfall‏‏ Ursache einer solchen Sprachstörung. Halten Sie das Risiko für Schlaganfälle und Kopfverletzungen so gering wie möglich, um dem vorzubeugen. Vermeiden Sie hohe Blut-, Cholesterin- und Zuckerwerte. Damit erhöhen Sie das Schlaganfallrisiko.‏‏ Ernähren Sie sich gesund ‏‏und betreiben Sie ‏‏regelmäßig Sport. Um Kopfverletzungen zu vermeiden, sollten Kinder und Erwachsene ausreichenden Kopfschutz tragen.

‏Diagnose einer bestehenden Aphasie: Erkennen der Sprachstörung

‏Um eine Aphasie diagnostizieren zu können, benötigt es zuallererst ein Anamnesegespräch. Dies kann durch die Anwesenheit von Bezugspersonen oder das Vorhandensein von Vorbefunden stark erleichtert werden. Anhand ‏‏verschiedener Tests‏‏ können anschließend Art und Schweregrad der vorliegenden Störung ermittelt werden. Die folgenden beiden Tests dienen dem Erkennen der Aphasie:‏

  • ‏Aachener Aphasie-Test: ‏‏Dieser Test ist das große Standardwerk. Er überprüft alle sprachlichen Teilbereiche sehr umfangreich. Er wird vor allem im Krankenhaus- und Neuro- Reha Setting verwendet. In der Praxis verwende ich den Test aufgrund der langen Durchführungsdauer nur bei Störungen minimaler Ausprägung.
  • ‏Aphasie-Check-List: Die ACL ist ein kürzerer Sprachtest. Es werden ebenfalls alle Teilbereiche der Sprache untersucht, allerdings passiert dies nicht so genau wie beim Aachener Aphasie- Test. Eine Störung leichter Ausprägung kann daher oft übersehen werden. Bei deutlichen Einschränkungen kann das Störungsbild allerdings auch mit der ACL gut erfasst werden. Da sie eine schnellere Durchführung erlaubt, ist sie im freiberuflichen Bereich zumeist das Mittel der Wahl.

‏Natürlich werden auch andere Aphasie-Tests verwendet. In meiner Praxis haben sich allerdings diese beiden bewährt.

Bestehen Anzeichen einer Aphasie, sollte eine logopädische Therapie ehest möglich begonnen werden. Je früher die Sprachtherapie beginnt, umso größere Fortschritte sind in der Regel zu erwarten.‏

‏Logopädische Therapie bei neurologischen Sprachstörungen: Verlauf der Behandlung bei Aphasie‏

‏Mit einer logopädischen Therapie kann die Kommunikationsfähigkeit häufig stark verbessert werden. Je eher die Therapie beginnt, umso größer sind die Rehabilitationschancen. Direkt nach einem Schlaganfall befindet sich das Gehirn in einem Umstrukturierungsprozess. Umliegende Bereiche versuchen die Funktionen des zerstörten Gewebes bestmöglich zu übernehmen. Dieser Prozess kann durch eine schnelleinsetzende Therapie bestmöglich unterstützt werden. Ist das betroffene Hirnareal sehr groß, kann es leider auch vorkommen, dass in der Therapie nur wenig bis keine Verbesserungen erzielt werden können.

Mit unterschiedlichen Techniken und Übungen, wie z.B. dem Benennen von Handlungen oder Bildkarten, dem Verstehen und Umsetzen einfacher bis schwerer Aufgaben, Anagrammen… kann zumeist Schritt für Schritt eine Verbesserung erzielt werden. Wichtig ist es, den Betroffenen mit dem Übungsmaterial nicht zu überfordern, dies kann zur Resignation und im schlimmsten Fall zum Verweigern sprachlicher Kommunikation führen. Der Schweregrad der Übungen muss kontinuierlich gesteigert und angepasst werden, um die bestmöglichen Ergebnisse erzielen zu können.‏

Sollte Ihnen auffallen, dass die verbale Kommunikation plötzlich nicht mehr möglich ist, sich drastisch verschlechtert oder ungewöhnliche Veränderungen im Sprechen auftreten, sollte in jedem Fall eine neurologische Abklärung gemacht werden. Es könnte sich um einen Schlaganfall oder bei einem vorbestehendem Insult auch um einen Re-Insult handeln. In diesem Fall ist es wichtig, dass die Versorgungskette schnellstmöglich in Gang gebracht wird, denn je schneller die Versorgung funktioniert, desto besser ist es für die Betroffenen.


‏‏Jemand der Ihnen nahesteht oder Sie selbst sind von einer Aphasie betroffen? Zögern Sie nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dank meiner mobilen logopädischen Praxis ist auch eine Therapie bei Ihnen zu Hause möglich.

Kontaktieren Sie mich, ich freue mich auf Sie!